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Keine Mutproben mehr am Mo-River

In den offiziellen Kartenwerken ist der Fluss im Nordwesten Kameruns als Mo-River verzeichnet; die Bewohner nennen ihn respektvoll "Momo". Diese Dopplung bedeutet soviel wie "Mutprobe". Damit ist das Problem auf den Punkt gebracht: die Über- bzw. Durchquerung des Flusses Mo.

Währen der Trockenzeit kann der "Momo" an einer ca. 70 Meter breiten Furt oberhalb einer Stromschnelle zu Fuß durchquert werden - in hüfthohem, schnellfließendem Wasser dennoch ein gefährliches Unternehmen. In der Regenzeit, immerhin fast die Hälfte des Jahres, ist eine Durchquerung des Flusses unmöglich. Vor dem Einsetzen der Regenzeit bauten deshalb die Anwohner in der Vergangenheit immer eine Hängebrücke aus Lianen (Bauzeit etwa vier Wochen). Da diese im Regenwald aber zunehmend knapper werden, sparte man, wo immer möglich, am Material. Entsprechend unsicher und brüchig waren die Brücken. Nicht selten wurden sie auch nach kurzer Zeit durch das extreme Hochwasser in der Regenzeit, das oft entwurzelte Baumriesen mit sich führt, beschädigt oder zerstört. Die Bewohner von rund 20 Dörfern, davon viele Glaubensgeschwister, waren dann über längere Zeit von der Außenwelt abgeschnitten. Dank der neuen Stahlseilhängebrücke mit einer Länge von 82 Metern ist dies nun nicht mehr zu befürchten.

So richtig ins Rollen kam das Projekt der Mo-Brücke durch Jugendliche des Nürtinger Kirchenbezirks. Mit gezielten Aktionen machten sie auf das Vorhaben aufmerksam und sammelten auch Geld. Kostenträger war allerdings das "Missionswerk" der Neuapostolischen Kirchen. Zunächst stieß die Idee des Baus einer Stahlseilhängebrücke im kamerunischen Regenwald auf Erstaunen und Bedenken. Der Mentor des Projekts, ein Priester, von Beruf  Agrarwissenschaftler und damals Dozent an der Universität Hohenheim bei Stuttgart sowie Jugendleiter in der Gemeinde Aichtal (Kirchenbezirk Nürtingen), ließ jedoch nicht locker. In Apostel Volker Kühnle, der die neuapostolischen Christen in Kamerun betreut, fand er einen überzeugten Befürworter und Förderer des Brücken-Projekts. "Es gab in der Bauzeit Phasen der Enttäuschung, ja Entmutigung, aber dank des Zusammenwirkens engagierter Menschen und nicht zuletzt glücklicher Umstände konnte die Brücke in nur sieben Monaten fertig gestellt werden. Das macht uns doch ein wenig stolz", so Apostel Kühnle bei der Übergabe, die im Beisein aller Dorfhäuptlinge der Umgebung sowie hoher örtlicher Regierungsvertreter stattfand.

Beim Bau waren mehr als 700 Sack Zement und rund viereinhalb Tonnen Stahl verarbeitet worden. Das gesamte Material musste gut sieben Kilometer zu Fuß über einen Urwaldtrampelpfad transportiert werden. Eine 50-köpfige Mannschaft schleppte die über 100 Meter langen Stahlseile durch den Dschungel!

 

Recherche im Internet

Zu den von Apostel Kühnle angesprochenen glücklichen Umständen zählte, dass man bei einer Internet-Recherche auf die Schweizer Organisation SKAT stieß, die in Nepal schon mehr als 200 dauerhafte Hängebrücken projektiert hat. In einem mehrbändigen Handbuch ist außerdem das gesamte Fachwissen von der Standortauswahl bis zur Wartung der fertigen Brücke für die Allgemeinheit einsehbar.

Als Bauträger fungierten die Schweizer Hilfsorganisation HELVETAS sowie CARD, ein von der Europäischen Union gefördertes lokales Bauunternehmen. Beide unterhalten in Bamenda, der 50 Kilometer von der Projektregion entfernten Hauptstadt der Nordwest-Provinz Kameruns, eine Außenstelle, die lokale Hilfsprojekte durchführt.

Ein Brückenspezialist von SKAT, der zur fraglichen Zeit in der Region war, um die Tragfähigkeit einer Brücke zu prüfen, die noch aus der deutschen Kolonialzeit (!) stammt, erklärte sich spontan bereit, mit CARD zusammen nach einem geeigneten Standort zu suchen - das bedeutete einen ausgedehnten Streifzug durch das insektenreiche Unterholz entlang dem Ufer des Mo-River.

Die Einweihung der Brücke war zugleich Startschuss für weitere Vorhaben in der Nordwestprovinz Kameruns, darunter die Finanzierung von mechanischen Pressen zur Ölgewinnung.