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Poesie in den Bewegungen

Gemeindemitglieder tragen in DGS in einem Gottesdienst etwas vor
Gemeindemitglieder tragen in DGS in einem Gottesdienst etwas vor
Bei einem von der Kirche angebotenen Kurs zum Erlernen der DGS
Bei einem von der Kirche angebotenen Kurs zum Erlernen der DGS

Hände fliegen in die Höhe, Finger drehen sich geschwind … - es ist ein besonderes Reden! Die Deutsche Gebärdensprache (DGS), die in den Gottesdiensten der Hörgeschädigtengemeinde Süddeutschland angewandt wird, ist eine eigenständige visuelle Sprache und in dieser Form gesetzlich anerkannt. Neben den Gebärden, den vor dem Körper gebildeten Handzeichen, zählen auch Mimik, Kopf- und Körperhaltung zu den Kommunikationsmitteln. Somit wird der ganze Körper als „Sprachinstrument“ genutzt.

Die DGS ist nicht als eine mit Gebärden unterstützte deutsche Lautsprache zu verstehen (wie die LBG, die „Lautsprachebegleitenden Gebärden“), sondern verfügt über einen eigenen Wortschatz und eine ausdifferenzierte Grammatik.

Seit mittlerweile 23 Jahren gibt es in der Gebietskirche Süddeutschland eine offizielle Hörgeschädigtengemeinde. Einmal im Monat finden Gottesdienste für Hörgeschädigte, deren Freunde, Betreuer und weitere interessierte (hörende) Glaubensgeschwister aus ganz Süddeutschland in der Regel in Stuttgart-Vaihingen statt. Circa 35 Hörgeschädigte und weitere (hörende) Kirchenmitglieder und Gäste besuchen regelmäßig die Gottesdienste in dieser Gemeinde. Die Predigt wird von ehrenamtlich tätigen Gemeindemitgliedern in die DGS übersetzt (in anderen neuapostolischen Gebietskirchen wird die LBG benutzt).

Umrahmt werden die Gottesdienste dieser besonderen Gemeinde von einem Gebärdenpoesie-Chor. Dieser Chor wurde in der Gebietskirche Süddeutschland 2006 gegründet; er wird von einem ebenfalls hörgeschädigten Diakonen geleitet.

Die Besonderheit an der Gebärdenpoesie ist die Poesie in den Bewegungen. Die Texte sind in der DGS „verfasst“ und damit für die hörgeschädigten Chormitglieder und Zuhörer „barrierefrei“ aufzunehmen, aufzuführen und mitzugestalten. Im Jahr 2010 wird erstmalig eine öffentliche Aufführung mit Gebärdenpoesie im Forum Fasanenhof zu erleben sein.

Außer zu den Gottesdiensten finden sich die Mitglieder der Hörgeschädigtengemeinde zu Sommerfesten und Weihnachtsfeiern zusammen. Einmal jährlich wird ein nationales Hörgeschädigtentreffen veranstaltet, wozu alle Hörgeschädigtengemeinden aus Deutschland und der Schweiz eingeladen sind. 2009 fand dieses Treffen in Köln statt (wir berichteten). Für 2010 ist ein Zusammentreffen in Berlin geplant.

Allen hörgeschädigten Glaubensgeschwistern, den Gästen, Amtsträgern und Betreuern kann durch diese Gemeinschaft eine direkte seelsorgerische Betreuung angeboten werden. Regelmäßig lassen sich auch interessierte Glaubensgeschwister in Gebärdensprachkursen ausbilden, um in der Gemeinde als Übersetzer ehrenamtlich mitzumachen.

Weitere Informationen zu den Hörgeschädigtengemeinden der Neuapostolischen Kirche in Deutschland sind auf deren Homepage zu finden.